Rede von Jörg Steinert

Rede von Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, auf der Kundgebung am 22. September 2012.

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir haben uns heute hier versammelt, weil wir ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und sexuelle Selbstbestimmung setzen wollen.

Heute vor einem Jahr demonstrierten wir wenige hundert Meter entfernt gemeinsam gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes. 365 Tage später sind es radikale Abtreibungsgegner, die uns auf den Plan rufen.

Fakt ist, Frauen und Paare dürfen bei ihrer Lebens- und Familienplanung nicht entmündigt werden. Das trifft auch auf homosexuelle Paare zu. Beim sog. „Marsch für das Leben“ haben sich jedoch Personen zusammen getan, die das anders sehen. Sie instrumentalisieren Religion, sie hetzen, sie verbreiten Unwahrheiten und sie versuchen Menschen einzuschüchtern. Dem stellen wir uns entgegen.

Als Lesben- und Schwulenverband  arbeiten wir mit den liberalen Strömungen in den Religionsgemeinschaften zusammen. Doch wir haben leider auch reichlich Erfahrung mit religiösen Fanatikern, die die Grundrechte von Menschen einschränken wollen:

Das sind die Hetzer, die Lesben, Schwule und Transgender anfeinden und herabsetzen.

Es sind die Einflüsterer von konservativen Politikern, die gleichgeschlechtlichen Paaren Rechte vorenthalten.

Und es sind die Lügner, die Homosexuellen verantwortungsvolle Elternschaft absprechen.

Doch  die Realität sieht anders aus:

Wir leben in einer offenen und freien Gesellschaft und unsere Grundrechte lassen wir uns nicht nehmen.

Regenbogenfamilien sind gelebte Realität – auch wenn das Ewiggestrige nicht wahrhaben wollen.

Und spätestens nach der Bundestagswahl 2013 wollen wir endlich gleiche Rechte für Lesben, Schwule und ihre Familien in Deutschland. Und wir wollen einen umfassenden Diskriminierungsschutz, ohne Ausnahmen für die Religionsgemeinschaften. Auch die lesbische Ärztin im Krankenhaus und der schwule Erzieher im Kindergarten müssen vor Diskriminierung geschützt werden, auch wenn der Arbeitgeber eine Religionsgemeinschaft ist.

Wir werden auch weiterhin mit Euch gemeinsam für sexuelle Selbstbestimmung in ihren vielfältigen Facetten kämpfen. An dieser Stelle aber auch ein Dankeschön, für Euer Durchhaltevermögen und Eure Leidenschaft! Besonderer Dank gilt der AG Sexuelle Selbstbestimmung für die Organisation dieser Kundgebung!

In diesem Sinne: Ich danke Euch, dass Ihr alle hier seid.

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