Tausende für die Abschaffung von §218 auf Berlins Straßen – „Marsch für das Leben“ geschwächt

Erfolgreicher Aktionstag „Vielfalt und Solidarität“ –

Berlin, Montag, den 18.09.2017

Wir freuen uns, dass in diesem Jahr deutlich mehr Aktive am 16.9. für die Abschaffung von §218 und gegen den „Marsch für das Leben (MfdL)“ auf die Straßen gingen. Mit 2.500 – 3.000 Menschen waren die Gegenproteste zum ersten Mal ähnlich groß wie der Marsch der Abtreibungsgegner*innen, die in diesem Jahr erfreulicherweise erneut einen herben Einschnitt ihrer Teilnehmer*innenzahl verzeichnen mussten: Sie zählten maximal 3.000

Wir vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung riefen zum Aktionstag unter dem Motto „Vielfalt und Solidarität“ auf und stellten uns bei schönstem Sonnenschein mit einem bunten Protest den christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen entgegen.

Der Aktionstag startete um 12.00 Uhr mit einer Auftaktkundgebung auf dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor. Das gemischte Publikum glänzte durch viele selbstgemalte Schilder und Luftballons, auf denen zu lesen war: „Legale Schwangerschaftsabbrüche weltweit!“.
Es sprachen Marlies Tepe´, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die eindrucksvoll schilderte, wie das Recht der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben damals der erste Grund für ihre Politisierung war und dazu aufrief, auch heute zu kämpfen und den Abtreibungsgegner*innen und der Hetzpropaganda entgegenzutreten. „Keine Regierung sollte einer Frau vorschreiben wann und ob sie Mutter werden will“, forderte Alicja Flisak von der polnischen Frauenorganisation Dziewuchy Dziewuchom in ihrer Rede. Weiterhin kam das Bündnis Frauen*kampftag zu Wort sowie Vertreter*innen der parteilichen Jugendorganisationen linksjugend [´solid], Grüne Jugend und Jusos Berlin. Musikalische Unterstützung gab es durch Auftritte von Lady Lazy und der Trommler*innengruppe uSAMBAras.

Der Demonstrationszug des Bündnisses What the Fuck traf während der Auftaktkundgebung ein und wurde stimmungsreich begrüßt. Wir hörten einen kämpferischen Redebeitrag einer Bündnisvertreterin. Zu einer gemeinsamen lautstarken, bunten Konfrontation des MfdL am Rande unserer Kundgebung kam es nicht, da die Polizei die selbsternannten Lebensschüzer*innen aufgrund der Stärke der Gegendemos umleitete.

Während unseres Demonstrationszuges ab 15 Uhr über die Straße Unter den Linden wurden die vorbeiziehenden „Lebensschützer“ mit kreativen Sprüchen und lauter Musik konfrontiert. Bereits bestehende Sitzblockaden von Aktivist*innen störten ebenfalls den Ablauf des Marsches.

Am Lustgarten angekommen wurde der Demonstrationszug bereits von der We’ll Come United Parade mit viel Musik zur gemeinsamen Kundgebung begrüßt. Dort gab es eine Solidaritätsnote an die We’ll Come United Parade sowie an die Abschlusskundgebung der Hebammen in Pankow, die sich gegen ihre prekären Arbeitsverhältnisse und die neue Gesetzgebung zur Wehr setzen. Viele der Demonstrant*innen schlossen sich am Anschluss der Parade an und setzten ein starkes gemeinsames Zeichen für sexuelle Selbstbestimmung und gegen Rassismus.

Wir sehen mit Erleichterung, dass die Fassade der vermeintlich lebensbejahenden Veranstaltung „Marsch für das Leben“ bröckelt, und dass diese Bewegung durch die jährlichen Gegenproteste und eine kritische öffentliche Auseinandersetzung nachhaltig geschwächt worden ist. In diesem Jahr war sicherlich auch der Beschluss des Berliner Diözesanrats der Katholischen Kirche, den MfdL nicht zu unterstützen, ein wichtiges Signal in die katholische Kirche hinein. Mit dem bevorstehenden Einzug der AfD in den Bundestag werden die Positionen der ‚Lebensschutz‘-Bewegung mit einer weiteren Partei im Bundestag vertreten sein. Darum wird es auch weiterhin sehr wichtig sein, unsere Bewegung für die Abschaffung von §218 und gegen die selbsternannten Lebensschützer noch größer, noch bunter und noch lauter werden zu lassen.

Also am 22. 9. 2018 – Dem „Marsch für das Leben“ entgegentreten!

28. September

Internationaler Aktionstag für die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs

Gemeinsam mit vielen weiteren Organisationen und Initiativen rufen wir dazu auf, den 28. September auch in Deutschland als den „Internationalen Aktionstag für die Entkriminalisierung des Schwangerschaftabbruchs“ zu etablieren. Wir schließen uns der Kampagne http://avortementeurope.org/ an und würden uns freuen, auch deutschlandweit viele Unterstützer*innen zu finden.
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DAS BÜNDNIS FÜR SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG

Das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ wurde 2012 gegründet und organisiert seither Proteste gegen den jährlich stattfindenden, bundesweiten sogenannten „Marsch für das Leben“. Das Bündnis ist ein breiter Zusammenschluss aus Beratungsstellen, Verbänden, politischen Gruppierungen und Parteien. Eine der Kernforderungen ist der uneingeschränkte Zugang zu einem legalen Schwangerschaftsabbruch und die Streichung des Paragraphen 218 aus dem Strafgesetzbuch. Weiterhin fordert das Bündnis eine geschlechter- und kultursensible Sexualaufklärung für alle und angemessene Unterstützung für alle, die sich für ein Kind entscheiden, damit sie ihre eigene Lebensplanung aufrechterhalten können

Macht mit im Bündnis, werdet aktiv! Nächste Treffen siehe Facebook / Homepage.

Werdet Unterstützer*innen des Bündnisses!
http://www.sexuelle-selbstbestimmung.de/ buendniserklaerung/

FOTOS

Aktuelle Fotos vom Aktionstag 2017:

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Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung (AG Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Telefon: 0160-3772208
Email: presse@sexuelle-selbstbestimmung.de
Internet: www.sexuelle-selbstbestimmung.de
Facebook: @pro.familienplanung

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