Berlin: Drastische Mittelkürzungen für Familienplanungszentrum

Dem Familienplanungszentrum – BALANCE (FPZ) drohen dauerhafte Mittelkürzungen in Höhe von 15.000 Euro pro Jahr, rückwirkend zum 1. Januar 2013 – also eine Kürzung im laufenden Etat ohne Ankündigung und Planungssicherheit!

Bedroht sind ab sofort:

  • Sexualaufklärungen von Schulklassen
  • Gynäkologische Behandlungen von behinderten und genitalverstümmelten Frauen
  • Muttersprachliche Schwangeren- und Elternkurse

Das Familienplanungszentrum als interdisziplinäre Einrichtung fungiert als eine wichtige Schnittstelle zu psycho-sozialen und gesundheitlichen Versorgungsstrukturen in der Stadt. Hier werden insbesondere Klient_innen, die keinen Zugang zu Beratungs- und Behandlungsleistungen haben bzw. diese anderswo wenig bis gar nicht in Anspruch nehmen, versorgt oder an geeignete, adäquate Einrichtungen weiter verwiesen. Diese Niedrigschwelligkeit und Brückenfunktion ist in dieser Form und für dieses Themenfeld in Berlin einzigartig und aktuell bedroht, insbesondere in der Kombination mit dem zielgruppenoffenen Ansatz des Familienplanungszentrum: Alle Angebote sind für jede Person, unabhängig von Alter, Herkunft, religiöser Ausrichtung, Status, Beeinträchtigung, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung.

Bitte beachten Sie diesbezüglich unsere aktuelle Pressemitteilung und die  Hintergrundinformationen. Wir freuen uns über die uns entgegengebrachte Solidarität und Unterstützung und bitten dringend um Ihre Unterschrift auf hinterlegter Unterstützerliste, die von Institutionen und Privatpersonen unterzeichnet werden kann, oder senden Sie eine Email an merchan@fpz-berlin.de. Darüber hinaus möchten wir die zuständigen Politiker_innen bzw. politisch Verantwortlichen direkt mit Protesten von Betroffenen und Kooperationspartnern durch Zusenden von Protestbriefen konfrontieren. Wir haben Ihnen 2 Entwürfe für derartige Protestbriefe an Gesundheitssenator Mario Czaja und Staatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner beigefügt, die Sie entweder postalisch oder per Email direkt an beide Verantwortliche senden können.

Bitte senden Sie uns eine Kopie oder Kurzinfo diesbezüglich für unsere Unterlagen zu.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung:
Geschäftsführerin Sybill Schulz: per mail unter schulz@fpz-berlin.de bzw. mobil 0163 66 95 161
Presseverantwortliche Isabel Merchan: merchan@fpz-berlin.de bzw. Tel. 030 / 236 236 841

Vorab bereits vielen Dank für Ihre Unterstützung

Hintergrundinformationen

Seit vielen Jahren fordert das Netzwerk behinderter Frauen in Berlin eine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung behinderter Frauen, eine Forderung, dessen Erfüllung nach den drohenden finanziellen Kürzungen in weite Ferne rückt. Einer Studie des  Bundesfamilienministeriums aus 2011 zu Folge sind behinderte Frauen zwei- bis dreimal häufiger Opfer sexueller Gewalt als alle Frauen im Durchschnitt. Der Studie nach müssen besonders junge Mädchen mit Behinderungen vor körperlicher und sexueller Gewalt geschützt werden. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass behinderte Frauen besondere Unterstützung wie sexualpädagogische Beratung und gynäkologische Behandlung benötigen.

Schon der Verlust des gemeinnützigen Einsatzes des Berliner Gemeindedolmetschdienstes – eine Entscheidung des Frauensenates im letzten Jahr – hat das FPZ stark getroffen, denn  dadurch wurde der Zugang zu Dienstleistungen erschwert und Kosten für Übersetzungsleistungen auf Klient_innen abgewälzt, die sich diese oftmals nicht leisten können. Um die Versorgung dieser Klient_innengruppe aufrecht zu erhalten, hat sich das FPZ bereit erklärt, die Dolmetschleistungen für vietnamesische Klient_innen mit jährlich 3.000 Euro aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Die Streichung von Finanzmitteln könnte auch das Aus für niedrigschwellige Projekte wie die zur Prävention von weiblicher Genitalverstümmelung und die medizinische Behandlung von Opfern bedeuten, die das FPZ seit mehr als 15 Jahren betreut. In diesem Rahmen werden u.a.  Workshops für von weiblicher Genitalverstümmelung betroffene oder bedrohte Mädchen und junge Frauen angeboten. Zur öffentlichen Sensibilisierung und Entwicklung gemeinsamer Präventionsstrategien wurde 2009 der Runde Tisch „STOPP FGM in Berlin-Brandenburg“ vom FPZ initiiert. Der Gesundheitssenat hat seine Unterstützung bekräftigt, eine Schirmherrschaft dennoch abgelehnt.

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