Berliner Dom ist nicht nur Wahrzeichen, sondern auch Vorbild

Pressemitteilung

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung: Mutige Entscheidung des Domkirchenkollegiums setzt ein Zeichen für Vielfalt und Wege jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit.

Die aktuelle Entscheidung des Berliner Doms gegen die Durchführung der Abschlussfeier einer für den Samstag angekündigten Demonstration von radikalen Gegnern des Rechts auf Familienplanung ist vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung begrüßt worden.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass sich das Domkirchenkollegium in deutlicher Weise von den Argumentationen und Zielen der Initiatoren dieser Demonstration distanziert hat. Nicht nur als Vertreterin des Bündnisses, auch als Bürgerin unserer Hauptstadt bin ich glücklich, dass uns der Berliner Dom nicht als ein Hort der Intoleranz, reaktionärer Ansichten und Heimstätte von religiösem Fundamentalismus in Erinnerung bleiben wird“, sagte Ines Scheibe aus dem Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung am Freitag in Berlin.

Sie erinnerte dabei daran, dass das laufende Berliner Themenjahr den Titel „Zerstörte Vielfalt“ trägt. Das Themenjahr 2013 will an die Auswirkungen der Machtübertragung an die Nationalsozialisten und die Verfolgung von Minderheiten zwischen den Jahren 1933 und 1945 erinnern: Vor allem der von Menschen aus dem jüdischen Kulturkreis, aber auch an die Verfolgung von Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten oder freireligiösen und freidenkerischen Gemeinschaften. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten steht die Erinnerung an jene Berlinerinnen und Berliner, die zur Vielfalt der Stadt beigetragen haben.

„Noch bis weit in die Zeit der späteren Bundesrepublik waren homosexuelle Menschen ebenso der staatlichen Verfolgung ausgesetzt wie auch die Mädchen und Frauen, die sich gegen eine ungewollte Schwangerschaft entschieden“, so Ines Scheibe. Angesichts dieser historischen Tatsachen müsse die Entscheidung des Domkirchenkollegiums zu einer unmissverständlichen Distanzierung von den Überzeugungen der unter dem Deckmantel des Begriffs Lebensrecht agierenden Gruppierungen gewürdigt werden. „Hier ist der Berliner Dom mal nicht nur Wahrzeichen, sondern auch Vorbild.“

Ines Scheibe betonte dabei: „Auch wenn nichtreligiöse Menschen einen großen Teil unseres Bündnisses bilden, besitzt das Bündnis die Unterstützung von bekannten Mitgliedern sowohl der Evangelischen Kirche wie auch der Römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Hier wird unmissverständlich deutlich, dass das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung keine Glaubensfrage ist – und auch nicht wieder werden darf. Die Entscheidung aus dem Kollegium im Berliner Dom stärkt diese wichtige Feststellung.“

Nun muss sich auch endlich der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Markus Dröge in der Pflicht sehen, dem mittlerweile innerhalb der Kirche deutlich gemachten Verlangen nach einem Umdenken nachzukommen: „Die klare und mutige Entscheidung des Domkirchenkollegiums setzt aus unserer Sicht ein wichtiges Zeichen für einen Weg jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit. Dem sollten sich nun alle Vertreter der Evangelischen Kirche anschließen. Bischof Markus Dröge muss endlich zeigen, dass er nicht nur zum Recht auf ein Leben, sondern auch zu dem Recht auf Selbstbestimmung und Vielfalt im menschlichen Leben steht“, so Ines Scheibe.

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